Ein Modell über das, was uns zueinander hinzieht und zusammenhält. Und ein ergänzendes Kartenset, das bei der Analyse von Paarbeziehungen hilft.

Die Beziehungsmatrix strukturiert die Faktoren die zu Anziehung in Paarbeziehung führen, in vier Dimensionen strukturiert. Das ergänzende Kartenset zeigt die die vielseitigen Aspekte innerhalb jeder Kategorie auf. Anhand der individuellen Einordnung dieser gesammelten Aspekte, hilft es bei der (Selbst)Analyse der Paarbeziehung und bietet eine objektivierende Perspektive auf die Beziehungsqualität. Damit ist es geeignet, einen geweiteten Blick auf die Beziehungsaspekte zu richten, Problem-Fixierungen zu lösen, Entscheidungshilfe zu leisten und Aspekte zu identifizieren, die erhöhte Aufmerksamkeit verdienen. Aus einem latenten Gefühl wird so ein klareres Bild, was es eigentlich ist, das sonst nur vage wahrnehmbar ist.
Mit jeweils über 20 Statements in 4 Kategorien werden alle Facetten berücksichtigt, die dazu führen eine Beziehung als erfüllend zu erleben. Wünschenswert ist es, ein stabiles Fundament in allen 4 Kategorien miteinander zu teilen. Eine 100% Übereinstimmung ist dabei weder realistisch noch wünschenswert, denn Unterschiede sind hilfreich um Spannung und Interesse aufrecht zu erhalten. Das Ziel ist eine ehrliche Selbsteinschätzung.
Die 4 Dimensionen
Dimension 1:
Körperlichkeit im Allgemeinen, Sexualität im Besonderen.
Hier geht es um körperliche Anziehungskraft, die auch alle anderen Sinne miteinbezieht und sich insbesondere in erfüllender Sexualität zeigt. Wir sagen „die Chemie stimmt“, wir nehmen z.B. den Körpergeruch von manchen Menschen als angenehm wahr, von den meisten anderen als unangenehm. Auch die Attraktivität spielt aufgrund des Stereotyps „Was schön ist, ist gut“ eine Rolle. Wie wir küssen, die bevorzugte Art von Berührung, aber auch Körperhaltung und Stimme beeinflussen unsere gegenseitige Anziehungskraft. Sexualität ist nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern auch die erfüllendste Form der Intimität. Dies in erfüllender Form und mit gemeinsamen bzw. sich ergänzenden Vorlieben ist ein wichtiger Stabilitätsfaktor in Liebesbeziehungen, u.a. durch die vielseitige Ausschüttung von Hormonen, die Glücksgefühle, gemeinsame Entspannung und Bindung beeinflusst. All diese Themen werden in den Fragen berücksichtigt und in beide Richtungen abgefragt.
Dimension 2:
Intellektuell/Kognitiv. IQ, Denkfreude und gemeinsame Themen.
Fokussiert werden hier ein gemeinsames intellektuelles Interesse und eine ähnliche Kapazität an Denk-Leistung, -Freude und Fähigkeit. Studien zeigen, dass sich Menschen Partner mit einem ähnlichen IQ suchen. Dazu sind gemeinsame intellektuelle Interessen ein steter Faktor gemeinsamer und gegenseitiger Inspiration. Dies ermöglicht stetige positiv empfundene Kontaktmöglichkeiten und damit Zuwendungen, die in Forschungen als wesentlicher Bestandteil gelungener Beziehung identifiziert werden. Die Aussagen beziehen sich auf die kognitive Bearbeitung, wie intellektuell kompatibel und anregend man sich gegenseitig empfindet, wie man Inhalte konsumiert und in welchem Maße man sie verarbeitet und miteinander teilt.
Dimension 3
Emotional. Ich fühle mich gesehen, geliebt, verstanden und wirksam.
Im Wesentlichen beziehen sich die Aspekte in dieser Dimension auf die
Beziehungsbedürfnisse von Richard Erskine. Ergänzt um die „fünf Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman und den Bereich der Konfliktlösungsstrategien und den Umgang miteinander unter besonderen emotionalen Umständen.
Dimension 4
Soziokulturell. Ein gemeinsamer Hintergrund, Werte und ein Umfeld das verbindet und trägt.
Zum einen sind ähnliche Umfelder ein häufiger Grund, miteinander in Kontakt zu kommen. Familienhintergründe sowie Freundeskreise, die der Beziehung positiv gegenüberstehen, können ein wesentlicher Faktor zur Stabilisierung sein. Damit einhergehen Gemeinsamkeiten in Kultur, Religion, Sprache und sozioökonomischem Status. Übereinstimmungen beim bevorzugten Wohnraum, Einstellung zu Familie und Erziehung, die Veränderungsbereitschaft sowie ein ähnlicher Umgang mit Statussymbolen sind ebenfalls hilfreiche Faktoren in Beziehungen. Unterschiede in diesen Bereichen können zu massiven Problemfaktoren werden, wenn sie nicht sehr bewusst als bereichernd gesehen und gepflegt werden. Ähnlichkeit führt dazu, dass das Gefühl entsteht, von der Partnerperson verstanden zu werden .
Das Vorgehen mit dem Kartenset:
Ich empfehle dies alleine und nicht direkt gemeinsam mit der Partnerperson durchzuführen. Eine ehrliche Zuordnung der Aussagen kann von der Partnerperson anders und damit u.U. als sehr verletztend empfunden werden. Diese Themen sind wenn, dann mit Abstand und Feingefühl anzusprechen, unter Umständen auch mit professioneller Begleitung im Rahmen einer Paarberatung oder einer Mediation. Die Beschäftigung mit den Karten kann unter Umständen unangenehme Aspekte der Beziehung bewusst machen, die bisher verdrängt wurden. Von daher sollten die Karten in einer stabilen emotionalen Verfassung genutzt werden.
Am stimmigsten ist es eine Dimension nach der anderen zu bearbeiten. Dazu sortieren Sie die Karten nach Farben und nehmen aus einem Stapel eine der Karten und überlegen, ob Sie dieses Statement für Ihre Beziehung als korrekt empfinden.
+ Falls ja, legen Sie sie oberhalb des Stapels ab.
– Falls nein, legen Sie sie unterhalb des Stapels ab.
Solltest du zu einer Karte (erstmal) keine klare Antwort finden oder sie für dich persönlich als irrelevant empfinden, lege sie neben dem Stapel im neutralen Bereich ab. So fährst du fort und legst die Karten im positiven Bereich oberhalb und in negativen Bereich unterhalb nebeneinander ab. So bekommst du einen visuellen Überblick über die ungefähre Verteilung.
Wenn du eine Kategorie durchgearbeitet hast, kannst du mit den anderen Kategorien fortfahren und diese nebenan im gleichen System bearbeiten. Wenn du das mit allen 4 Kategorien und allen Karten durchgeführt hast, lass das Gesamtbild wirken. Wo liegen die Stärken deiner Beziehung? Was hält, beglückt miteinander. In welchen Bereichen hakt es? Was sind Treiber einer vielleicht latenten oder auch offensichtlichen Unzufriedenheit. Und welche dieser Bereiche kannst und möchtest du ins Gespräch bringen. Vieles lässt sich lösen, miteinander erlernen oder neue Wege zum Umgang damit finden. Manchmal ist auch eine intensivere, individuelle oder gemeinsame Auseinandersetzung mit einem Berater oder Therapeuten hilfreich.
Ein Kartenset kostet 38€ inkl. MwSt und Versand.
Bestellungen nehme ich gerne per Email an
ng@nicolegugger.de entgegen. Bitte gebt dabei Eure Adresse mit an!
PS: Ich freue mich natürlich sehr über Feedback!
Wenn Dich die Hintergründe interessieren, finden sich in den folgenden Abschnitten noch mehr Theorien und Studien, die mich in der Entwicklung meines Modells bestätigt haben und in den Statements berücksichtigt sind.
Stützende Theorien und Studien
Die folgenden Theorien waren für mich bei der fortgeschrittenen Entwicklung leitend: Erskine (1975) beschrieb die TA als eine therapeutische Methode, die die drei Dimensionen des Menschen – Denken, Gefühle und Verhalten integriert und ergänzte 1980 die physiologische Dimension als Hauptzugangsmöglichkeiten zum Skript in der therapeutischen Arbeit. (Erskine et al. 1999). Dank ihm kennen wir die Beziehungsbedürfnisse. Auch wenn diese sich auf den therapeutischen Kontext beziehen, ist unbestritten, dass das Bewusstsein über diese hilfreich ist, um in Beziehungen gegenseitig wohltuend und bindungsstärkend zu agieren.
Aufgrund der Bindungstheorie (Bowlby, 1982) und vieler weiterer Studien wissen wir
die wohltuende Wirkung stabiler, erfüllender Beziehungen auf das gesamte System
Mensch. Menschen in festen und befriedigenden Liebesbeziehungen sind glücklicher (Easterlin, 2003) und gesünder durch höhere Überlebensraten nach schweren Erkrankungen (Koronare Herzkrankheit, Williams et al, 1992 & Herzinfarkt, Coyne, 2001). Dank der umfangreichen Arbeiten von John Gottman (2014) und Julie Schwartz Gottman wissen wir um die Bedeutung positiver Interaktionen. Die in meinem Modell enthaltene Analyse der Gemeinsamkeiten, zeigt daher auch auf, wie viele Gelegenheiten zur Kontaktaufnahme und gegenseitiger Aufmerksamkeit daraus resultieren und damit einem Gefühl der Verbindung zuträglich sind.
Literaturliste
Berne, Eric. (1970) Sex in human loving, Pocket Books
Bretherton, Inge (1995) Die Geschichte der Bindungstheorie. In: G. Spangler, P.
Zimmermann (Hrsg.): Die Bindungstheorie. Grundlagen, Forschung und Anwendung.
Stuttgart 1995, S. 27ff.
Chapman, Gary D. (1992) The Five Love Languages: How to Express Heartfelt
Commitment to Your Mate, Northfield Publishing
Erskine, R., Moursund, J. P., Trautmann, R.I. (1999) Beyond Empathy, A Therapy of
contact-in-relationship, Routledge
Gottman, Dr. J. M. (2012) Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe: Der
wissenschaftlich fundierte Beziehungs- und Eheratgeber vom Bestsellerautor:
Für langfristige und erfüllte Partnerschaften. Ullstein Taschenbuch
Horwitz, Tanya B., Balbona, Jared V., Paulich, Katie N. & Keller, Matthew C. (2023)
Evidence of correlations between human partners based on systematic reviews
and meta-analyses of 22 traits and UK Biobank analysis of 133 traits
(pages1568–1583) Nature Human Behaviour volume 7
Kalick. S. M., Zebrowitz, L. A., Langlois. J. H., & Johnson, R. M. (1998) Does human
facial attractiveness honestly advertise health? Longitudinal data on an
evolutionary question. (8-13) Psychological Science, 9.
Karremans, J.C., Finkenauer, C. (2014). Affiliation, zwischenmenschliche Anziehung
und enge Beziehungen. In: Jonas, K., Stroebe, W., Hewstone, M. (eds)
Sozialpsychologie. Springer-Lehrbuch. Springer, Berlin, Heidelberg.
Murray, S. L., Holmes, J. G., Bellavia, G., Griffin, D. W., & Dolderman, D. (2002).
Kindred spirits? The benefits of egocentrism in close relationships. (563-581)
Journal of Personality and Social Psychology, 82(4)