Weisheit? Was, wie und wozu überhaupt.

Großes Wort, diese „Weisheit“. Und interessanterweise ist es gar nicht so einfach mit Menschen darüber zu reden. Immer scheint es zu weit weg, zu unerreichbar, zu… ja, was eigentlich? Nicht so richtig zu fassen jedenfalls.

Von sich selbst behaupten darf man es auf keinen Fall, nur als Zuschreibung von anderen. Und dann bitte alt und mit weißen Haaren, unter 50 schon mal gar nicht und in der Vorstellung eigentlich immer männlich. Wie auch manche emanzipierte, toughe Frau zähneknirschend zugibt. Typus Dumbledore oder Gandalf. „Aber erstrebenswert ist es schon.“

Nun wurde ich schon mehrfach als weise bezeichnet. Aber sobald ich das ausspreche, werde ich umgehend schief angesehen. Und ja, es fühlt sich seltsam an und ist der Grund warum ich diesem Wort auf die Spur kommen möchte und auch schon diverse Bücher dazu verschlungen habe.

Wikipedia fasst es ja oft ganz gut zusammen und sagt u.a. <Weisheit bezeichnet vorrangig ein tiefgehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizieren. (…) Weitgehende Übereinstimmung herrscht in der Ansicht, dass Weisheit von geistiger Beweglichkeit und Unabhängigkeit zeugt: Sie befähigt ihren Träger, systematisch Dinge zu denken, zu sagen oder zu tun, die sich in der gegebenen Situation als nachhaltig sinnvoll erweisen. Dies geschieht häufig unter Vermeidung störender Einflüsse, wie beispielsweise dem eigenen Gefühlszustand oder gesellschaftlichem Gruppenzwang. Bei näherer Betrachtung und umfassender Würdigung aller Umstände, manchmal auch erst mit zeitlichem oder räumlichem Abstand, erweisen sich diese Überlegungen, Äußerungen und Handlungen jedoch als „richtig“, zutreffend oder „wahr“.>

Allumfassend wird das sicher Niemand erreichen, das gesammelte Wissen der Welt lässt sich schwer in ihrer Komplexität in einen einzelnen Kopf gießen. Aber wenn man es z.B. auf die Menschen an sich und ihren Blick aufeinander eingrenzt, sind wir im Bereich der Psychologie. Dann geht es im Wesentlichen um Selbsterkenntnis und Beziehungen. Wenn wir dann noch psychische Extremfälle herausrechnen, bleibt ein Bereich übrig, den man vielleicht doch noch ganz gut überschauen kann.

Auseinandergebastelt

Wenn wir das überhöhte „Magische“ einfach weglassen und bestehende Erklärungsmodelle einfach radikal umsetzen, dann finde ich es gar nicht mehr so groß und alt und männlich. Ganz besonders spannend dabei ist der Satz „unter Vermeidung störender Einflüsse, wie beispielsweise dem eigenen Gefühlszustand oder gesellschaftlichem Gruppenzwang.“ Ich glaube, da stecken gleich zwei der wesentlichen Knackpunkte drin.

1. Der eigene Gefühlszustand als störender Einfluss? Eindeutig …Jain. Nein, die eigenen Gefühle sind wertvoll und wichtig. Vor allem wenn es die ursprünglichen Grundemotionen sind. Die sind ein wertvoller Wegweiser bei der Persönlichkeitsentwicklung, wenn wir sie spüren und auch artikulieren können. Sie werden allerdings sehr wohl ein störender Einfluss, wenn wir die von unseren Emotionen ausgelösten Interpretationen über andere für die Wahrheit halten. Ich bin immer wieder erstaunt, wer so alles glaubt eine gute Intuition zu haben und muss mich dann doch gelegentlich zurückhalten, nicht mit folgendem Zitat von Yoda zu antworten „Viel zu lernen Du noch hast“. Ein Körnchen Wahrheit lässt sich immer finden, wie auch in jedem Wochenblatt-Horoskop. Der Rest wird selten vollständig aufgedeckt und lässt sich daher immer irgendwie passend zurechtdenken. Gefühle sind Wahrheiten über Dich selbst. Interpretationen nur Märchen über die anderen. Weise ist es, diese nicht miteinander zu verwechseln.

2. Gesellschaftlicher Gruppenzwang. Normen und Regeln fürs friedliche Zusammenleben in Gruppen sind sicher auch nicht per se schlecht zu bewerten. Aber – selbst in kleinen Gruppenkonstellationen wie Familien und Freundeskreisen, kann man allzu oft beobachten, wie bestimmte Verhaltensweisen erwartet werden, andere dagegen nicht geduldet oder zumindest unterwünscht sind. Nur wenige nennen es Gruppen“zwang“. Bequemer ist es sich mit Höflichkeit und Geduld rauszureden, warum man die Eltern nicht auf ihre zunehmend eigenwilligen und für einen selbst sehr anstrengenden Verhaltensweisen anspricht. Und doch bleibt dadurch Wesentliches und Wichtiges unausgesprochen, was echte Beziehungsreife ermöglichen würde. Autonomie ist der Gegenentwurf, das höchste Ziel in der Transaktionsanalyse. Definiert durch Bewusstheit, Spontanität und Fähigkeit zur Intimität.

Wenn wir das Beides also können, sind schon gute Voraussetzungen geschaffen, für die „geistige Beweglichkeit und Unabhängigkeit“ und „systematisch Dinge zu denken, zu sagen oder zu tun“, die nachhaltig sinnvoll sind und nicht dem eigenen Vorteil dienen. Denn mit diesen Erkenntnissen bzw. Errungenschaften werden wir vieles aus ganz anderen Perspektiven bedenken, immer noch drei weitere Varianten für möglich halten und mit einbeziehen. Und mit einer deutlich größeren Gelassenheit und inneren Distanz auf die Dinge gucken können. Und da sind wir bei dem was diese „magische Weisheit“ ist, dieses abgeklärt und ein bisschen über den Dingen stehend. Wo Zeit einfach ein bisschen weniger relevant ist. Ob nun Yoda, Dumbledore oder Gandalf. Und ich behaupte Galadriel und McGonagall taugen da ebenso gut.

Ich denke, das funktioniert auch innerhalb eines Menschenlebens. Zumindest ein bisschen.

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